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Ablegerbildung zwischen Vancouver, Marseille und Spanien

Die Bildung von Ablegern gehört für mich zu den wichtigsten Arbeiten im Frühjahr. Dabei werden aus bestehenden Bienenvölkern kleinere neue Völker gebildet, die sich im Laufe des Sommers zu eigenständigen Bienenvölkern entwickeln können. Diese sind dann im nächsten Jahr sogenannte Wirtschaftsvölker, die Honig bringen. Für uns Imker hat das gleich mehrere Vorteile: Zum einen dient es der Völkervermehrung und damit dem Aufbau des eigenen Bestandes. Zum anderen wirkt sich die Entnahme von Brut und Bienen auch positiv auf die Schwarmverhinderung aus. Durch die Verringerung der Bienenmasse wird der natürliche Schwarmtrieb oft etwas gedämpft, sodass die verbleibenden Völker ihre Energie stärker auf die Honigsammlung richten können.

Dieses Jahr war die Ablegerbildung allerdings etwas komplizierter als sonst. Eigentlich sollte sie einige Tage früher erfolgen, doch ich war zunächst auf einer Konferenz in Vancouver, Kanada. Die Reise war eine fantastische Erfahrung mit vielen spannenden Gesprächen und neuen Eindrücken. Allerdings bedeutete sie auch, dass ich erst am Abend des 7. Mai wieder zu Hause war. Genau an diesem Abend blieb uns das einzige Zeitfenster, um die Ableger zu bilden.

Wir haben deshalb direkt nach meiner Rückkehr die Bienenvölker durchgesehen. Aus zwei guten Völkern, die sich durch ihre Friedfertigkeit und einen guten Honigeintrag ausgezeichnet hatten, entnahmen wir jeweils eine Brutwabe. Aus unserem stärksten Volk konnten wir sogar zwei Brutwaben entnehmen. Jede dieser Brutwaben bildete die Grundlage für einen neuen Ableger.

Zu jeder Brutwabe kam eine Futterwabe mit eingelagertem Honig und Pollen sowie eine Mittelwand. Besonders wichtig ist dabei, dass genügend Bienen mit in den Ableger gelangen. Sie übernehmen die Versorgung der Brut und ziehen aus den vorhandenen Eiern und jüngsten Larven eine neue Königin nach. Aus einem kleinen Ableger entsteht so innerhalb weniger Wochen ein vollständig neues Bienenvolk.

Nachdem alle vier Ablegerkästen vorbereitet waren, wurden sie sorgfältig verschlossen. Jeweils zwei Kästen schnürten wir mit einem Spanngurt zusammen, damit sie sich sicher transportieren ließen. Anschließend wurden sie ins Auto geladen und nach Haag gebracht, wo sie an ihrem vorübergehenden Standort aufgestellt wurden. Dort können die jungen Königinnen später ihre Begattungsflüge durchführen, ohne dass die Flugbienen zu ihrem ursprünglichen Standort zurückkehren.

Ganz entspannt war die Aktion allerdings nicht. Der Zeitplan war eng, denn bereits am nächsten Morgen ging es für uns nach Marseille zur Hochzeit guter Freunde. Und in der darauffolgenden Woche stand schon die nächste Reise an, diesmal zu einer Taufe nach Spanien. Umso dankbarer bin ich, dass wir unseren Bienenstand mit Anna teilen, die ebenfalls ein Volk dort stehen hat. Während unserer Abwesenheit hatte sie ein Auge auf die Bienen und kümmerte sich um alles Notwendige.

Nun bleibt nur noch abzuwarten, ob die jungen Königinnen erfolgreich nachgezogen und begattet werden. Wenn alles gut geht, werden aus den kleinen Ablegern im Laufe des Sommers kräftige Bienenvölker entstehen. Für mich ist das jedes Jahr aufs Neue einer der faszinierendsten Aspekte der Imkerei: Aus wenigen Waben und einer Handvoll Bienen entwickelt sich innerhalb weniger Monate ein vollständig funktionierender Organismus.

Die vier Ablegerkästen im Wald bei Haag.

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