Die erste Honigernte des Jahres

Am Montag, den 18.05., waren wir gerade erst von unserer Reise aus Spanien zurückgekommen, da stand schon die nächste wichtige Aufgabe an: die erste Honigernte des Jahres.

Da wir dieses Jahr unbedingt Frühjahrsblütenhonig ernten wollten und die Völker bereits ungewöhnlich früh einen guten Eintrag hatten, ging es am folgenden Wochenende direkt weiter. Bereits am Freitagabend legten wir die Bienenfluchten ein. Eine Bienenflucht funktioniert wie eine Einbahnstraße. Die Bienen können den Honigraum verlassen, finden anschließend aber nicht mehr zurück hinein. Dadurch befinden sich am nächsten Morgen deutlich weniger Bienen auf den Honigwaben und die Ernte wird wesentlich einfacher.

Am Samstagmorgen ging es deshalb früh los. Wir kontrollierten die Honigräume, fegten die wenigen verbliebenen Bienen von den Waben ab und luden die Honigräume anschließend ins Auto. Danach fuhren wir nach Ober-Mossau ins schöne Mossautal, wo wir die Honigschleuder und das gesamte Zubehör aufbauten.

Dort verbrachten Iryna und ich praktisch den ganzen Tag mit Entdeckeln, Schleudern, Sieben und Reinigen. Auch wenn die Arbeit durchaus anstrengend war, lohnt sich dieser Moment jedes Jahr aufs Neue. Es ist einfach etwas Besonderes zu sehen, wie das flüssige Gold aus den Waben läuft und sich langsam die Eimer mit frischem Honig füllen.

Und die Mühe wurde belohnt: Insgesamt konnten wir rund 40 Kilogramm Frühjahrsblütenhonig ernten. Das entspricht ungefähr dem Doppelten unserer gesamten Honigernte des vergangenen Jahres. Entsprechend zufrieden sind wir mit diesem Ergebnis. Nun hoffen wir natürlich, dass die Sommertracht ebenfalls gut ausfällt und wir später im Jahr noch ein zweites Mal ernten können.

Nach dem Schleudern wurde der Honig in Eimer gefüllt und alles gründlich gereinigt. Gerade dieser Teil der Arbeit zog sich diesmal etwas länger hin als erwartet. Dabei habe ich mich mehrfach gefragt, ob es nicht Möglichkeiten gibt, die Reinigung künftig etwas effizienter zu gestalten.

Am Abend fuhren wir wieder nach Hause. Die ausgeschleuderten Honigräume blieben jedoch zunächst noch stehen und wurden erst am nächsten Tag wieder auf die Völker gesetzt. Bei dieser Gelegenheit schauten wir sämtliche Bienenvölker gründlich durch.

Dabei fiel uns auf, dass in einem Volk keine Königin zu finden war. Außerdem konnten wir weder frische Stifte noch junge Brut entdecken. Möglicherweise ist hier ein Schwarm abgegangen oder das Volk befindet sich gerade in der Nachschaffung einer neuen Königin. Noch lässt sich das nicht sicher sagen. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob wieder frische Brut vorhanden ist und sich das Volk normal weiterentwickelt. Da es sich allerdings um eines unserer aggressivsten Völker handelte, bin ich darüber nicht allzu unglücklich.

Die übrigen Völker machten dagegen einen hervorragenden Eindruck. Alle waren stark besetzt und entwickelten sich sehr gut. Wir haben inzwischen überall den Platz erweitert und hoffen nun, dass die Bienen die kommenden Wochen nutzen, um kräftig weiterzubrüten und noch etwas Honig aus der Sommertracht einzutragen.

Der frisch geschleuderte Honig bleibt nun zunächst etwa eine Woche in den Eimern stehen. In dieser Zeit steigen kleine Wachsteilchen, Luftblasen, Pollenreste und andere feine Schwebstoffe langsam an die Oberfläche. Alle paar Tage schöpfen wir diese Schicht vorsichtig ab, sodass der Honig zunehmend klarer wird. Erst danach wird er in Gläser abgefüllt.

Besonders begeistert sind wir in diesem Jahr vom Geschmack des Frühjahrsblütenhonigs. Er ist deutlich heller als unsere Sommerhonige, zeigt ein wunderschönes goldgelbes Farbspiel und besitzt ein angenehm mildes, blumiges Aroma. Gerade diese Leichtigkeit macht ihn für uns zu einem ganz besonderen Honig und zu einem wunderbaren Start in die neue Honigsaison.

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